Archiv für den Monat Juni 2016

#6: Schlechte Idee

Großbritannien beschließt den Brexit. Seit Tagen, genauer gesagt seit Freitagmorgen, geht es um nichts anderes mehr in den Nachrichten. Der Brexit ist die Schockmeldung und zeigt, dass ein vereintes Europa am Ende ist. Die Idee ist gescheitert. Die Schlüsse, die daraus nun gezogen werden müssen sind eindeutig: Alles neu.

Allein schon dieses Wort: Brexit. Ich kann es nicht mehr hören. Und trotzdem muss auch ich noch dazu meine Meinung abgeben. Der von der Bevölkerung Großbritanniens beschlossene Ausstieg aus der EU ist das schlechteste Zeichen, das man in unsicheren Zeiten wie diesen absenden könnte. Seit Monaten, seitdem die Flüchtlingskrise Europa beschäftigt, plädieren die linkeren Lager für ein vereintes Europa. Für Zusammenarbeit. Gemeinsam können wir das schaffen. Alleine werden wir uns schwer tun. Und jetzt das. Großbritannien sendet genau das Gegenteil als Zeichen: Alleine schaffen wir es viel besser.

Es gibt sinnvollere Vereinigungen als die EU – keine Frage. Sie gehört reformiert – keine Frage. Ihre Politik für die Unternehmen, freut nur die Unternehmen selbst, um die Bevölkerung wird sich kaum gekümmert. Mit denen lässt sich kein Geld machen. Und trotzdem ist ein Ausstieg das Dümmste, was man jetzt machen kann. Es ist schlichtweg eine schlechte Idee. Wird den Finanzstandort London und Großbritannien in eine Krise stürzen. Klar ist: Der Brexit muss jetzt schnell stattfinden. Ein unnötiges herauszögern spielt lediglich den Briten in die Karten.

Und trotz all meinem Unmut bin ich absolut gegen eine Wiederholung des Votums. Die britische Bevölkerung hat – leider – mehrheitlich dafür gestimmt. Da braucht man keine zweite Abstimmung. Die Idee einer Europäischen Union ist am Ende. In so ziemlich allen Staaten regt sich nun eine ähnliche Protestbewegung. Frankreich mit seinem rechten Lager Front National, das massiv an Beliebtheit zulegte in den letzten paar Jahren, wird auch Frankreich in die Richtung eines EU-Ausstieges treiben. Weitere EU-Länder werden folgen.

Man müsste jetzt alles verändern. Die EU müsste sich innerhalb weniger Monate neu erfinden. Das wird schwierig, wäre aber möglich. Deswegen müssen sie jetzt anfangen. Aufhören über Großbritannien zu reden und endlich Politik für die Menschen zu machen und nicht für die europäischen Großkonzerne. Und übrigens: Ich finde Vergleiche mit dem Brexit und Englands Ausscheiden bei der EM in Frankreich gegen Island sehr lustig. Wer fliegt schon innerhalb weniger Tage gleich zweimal erst aus der EU und dann aus der EM. Das ist fast schon wieder eine Meisterleistung.

#5: Warum?

Es ist immer schlimm, wenn Menschen sterben müssen. Es ist noch schlimmer, wenn Menschen aufgrund der Gewalt von Mitmenschen sterben müssen. Und es ist noch viel schlimmer, wenn 49 Menschen am gleichen Ort wahllos erschossen werden. Die einzige Frage die für mich bleibt: Warum?

Warum muss so etwas sein? Warum muss ein Mensch andere Menschen töten; Angst und Schrecken verbreiten? Warum? Das ist das Einzige, was mir nach Attentaten wie dem in Orlando am Wochenende einfällt. Dass es das vor allem von den Medien so oft genannte „schlimmste Einzelattentat“ der amerikanischen Geschichte ist, ist mir dabei herzlich egal. 49 unschuldige Menschen mussten ihr Leben lassen, mussten aufgrund der Gleichgültigkeit eines „Menschen“ sterben. Das ist traurig. In Syrien ist das im Moment die Realität, das sollte man sich immer wieder vor Augen führen und daran sind die europäischen, amerikanischen und russischen Streitkräfte nicht ganz unbeteiligt. In Ländern, in denen Frieden herrscht, sorgen solche Ereignisse aber trotzdem für mehr Aufsehen.

Zum wiederholten Male musste Barack Obama vor die Presse treten und über ein Attentat in seinem Land sprechen. Wieder sprach er über die Verschärfung der Waffengesetze. Wieder wird sich nichts ändern. Wieder wird alles genau so bleiben wie zuvor. Die Waffen-Lobby ist in den USA viel zu mächtig, als dass man sich mit diesen Schwergewichten der amerikanischen Wirtschaft anlegen könnte. Vielleicht könnte man es, aber es wäre definitiv der Todesstoß für jeden Politiker. Niemand möchte die amerikanische Tradition beenden. Tolle Tradition ist das.

Neben dem Attentat in Orlando wurden etwa 100 weitere Zwischenfälle mit Schusswaffengebrauch in den USA am 12. Juni registriert. Das ist schon beinahe Alltag. Ein sehr trauriger Alltag. Diesen könnte Obama beenden, jetzt hat er noch die Chance dazu. Sich den Friedensnobelpreis, den er voreilig bekommen hatte, endlich verdienen. Aber ernsthaft glaubt daran sowieso kein Mensch. Obama wird gehen, wird seine Amtszeit unspektakulär beenden. Wird nicht sonderlich viel bewegt haben. Und wenn solche Attentate einem amerikanischen Politiker derzeit in die Karten spielen, dann ist das Donald Trump. Sollte der Milliardär amerikanischer Präsident werden, dann haben wir ein Problem. Ein großes Problem.

Und trotzdem, es bleibt die Frage: Warum?

#4: Fußball im Vordergrund

Der vierte Meinungsblog kommt zu spät? Stimmt! Diesmal allerdings absolut bewusst. Ich wollte erst mal die ersten Spiele bei der diesjährigen Europameisterschaft in Frankreich abwarten, bevor ich meine Meinung zu dem Megaevent schreibe.

Wir haben doch alle darauf gewartet. 12 Tage lang läuft dank der Gruppenphase nun von 15 bis 23 Uhr durchgehend Fußball. Ein Traum für jeden Fan und auch nicht Fan. Denn zu WM oder EM werden plötzlich immer alle zu Fußballfans und vor allem werden alle zu Bundestrainern. Und obwohl die EM 2016 in Frankreich eine menge Spaß mit sich bringen wird, irgendwas ist komisch. Das mag an der vermeintlich prekären Sicherheitslage in Frankreich liegen. Seit Wochen wird darüber berichtet, wie man die Stadien sichern kann vor Anschlägen wie im November 2015 in Paris. Zahlreiche Talk-Shows befassten sich mit diesem Thema. Tenor immer: die geladenen Gäste wussten nicht mal, warum sie überhaupt zu der Sendung eingeladen wurden.

Man wird ein Stadion mit zigtausend Menschen nie zu hundert Prozent sichern können. Da helfen weder zwei Zugangskontrollen noch ein Flugverbot über den französischen Stadien. Wenn es jemand schaffen möchte, dann schafft er es auch, so traurig das ist. Nur sollten wir aufpassen, darüber nicht zu viel zu reden. Seit Wochen wird die EM als das Top-Anschlagsziel des Islamischen Staates (IS) hyperdramatisiert. Und klar ist, dass solch ein Anschlag eine enorme Wirkung hätte, sowohl für Europa als auch für die ganze Welt. Alle Grenzen würden dicht gemacht werden. Kein Land würde mehr Argumente finden, nicht in den Krieg gegen den IS zu ziehen. Trotzdem sind solche Diskussionen unnötig. Wenn es passiert, dann konnte man es leider nicht verhindern. Natürlich könnte ich jetzt auch an den IS appellieren, Anschläge und generell die Gewalt einzustellen. Die werden sich für meine Meinung nur nicht interessieren. Deswegen sollten wir uns nicht die Stimmung verderben lassen und den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, denn das ist ja eigentlich das, worum es die nächsten Wochen in Frankreich geht.

Übrigens braucht man für Gewalt rund um die EM nicht mal den IS. Was am Samstag im Vorfeld der Partie England gegen Russland in Marseille passierte ist unfassbar. Menschen die zu solcher Gewalt bereit sind haben nichts im Stadion zu suchen und auch nichts in unserer Gesellschaft zu suchen! Mehrere schwerverletzte Personen und eine Person in Lebensgefahr sind die Folge enthemmter Gewalt. Das schadet unserer Gesellschaft und nicht nur dem Fußball. Traurig was in Marseille passierte. Solche Szenen sollten sich nicht mehr wiederholen. Aber einen Lichtblick gibt es: Die UEFA hat ein Disziplinarverfahren gegen Russland eröffnet. Und wenn wir eines aus der Vergangenheit wissen, dann doch dass die UEFA absolut konsequent Probleme sowohl interner als auch externer Art aufarbeitet.

#3: Das ist Fußball

Wieder da und alles neu? Eigentlich ja, aber erst mal nicht. Der dritte Mittwochsblog wird sich wieder mal dem Thema Fußball widmen.

Leicester City gewinnt die englische Premier League. Das war die Nachricht, auf die sich die Fußballnostalgiker in den letzten Wochen stürzten. Und auch wenn es Ungereimtheiten in der Vergangenheit des englischen Vereins geben mag, wie etwa die etwas fragwürdige Finanzierung, trotzdem wurde Leicester Meister in der englischen Liga, der vielleicht härtesten Liga der Welt, in der sich Konkurrenten wie die Tottenham Hotspurs, der FC Arsenal, Manchester United und Manchester City sowie der FC Chelsea tummeln. Genau aus diesem Grund ist dieser Meistertitel ein Wunder, vielleicht sogar ein echtes Fußball-Märchen, das es so schon länger nicht mehr gab. Gerade wir deutschen Fußballfans, die seit vier Jahren den gleichen Meister aus München beglückwünschen müssen, brauchen doch solche Erfolgserlebnisse, um wieder an das Unglaubliche glauben zu können.

Um daran zu glauben, dass RasenBallsport Leipzig in der kommenden Saison die Bundesliga aufmischt und sensationell deutscher Meister wird. Wer weiß, Leicester hat es vorgemacht. Vielleicht macht es Leipzig mit all seinen Brausemillionen nach. Leute, die schon länger meinen Blog lesen wissen, dass ich nichts gegen Engagements wie das von Red Bull in Leipzig habe, denn anders, wird heutzutage keine Mannschaft mehr den etablierten Spitzenvereinen Druck machen können. Dafür ist der Fußball bereits viel zu kommerzialisiert worden im letzten Jahrzehnten. Viel mehr Spaß würde es natürlich machen, wenn man den Kommerz im Fußball einfach abschaffen würde, keine aberwitzigen Ablösesummen und Gehälter für Spieler gezahlt würden; keine Ausrüsterdeals mit zig Millionen Euro Prämie geschlossen würden. Das ist allerdings reines Wunschdenken.

Aber auch in der Bundesliga gab es am Ende der Saison noch Drama pur. Der SV Werder Bremen rettet sich in der 88. Spielminute sensationell vor dem Abstieg. Der VfB Stuttgart musste runter. Eine Traditionsmannschaft muss in der zweiten Bundesliga einen Neuanfang wagen, ob das gutgehen wird, muss sich zeigen.

Gleichzeitig wurde der FC Bayern München zum vierten Mal in Folge deutscher Meister, der FC Barcelona gewinnt die Primera Division. Und der Champions-League-Sieger wist Real Madrid kommen. Nichts Neues also. Diese Saison beinhaltete viel Spannung, viel Dramatik; zeigte aber auch, wie zementiert manche Mannschaften Europa dominieren. Und trotzdem, war es wieder eine gute Saison. Und jetzt freuen wir uns auf die EM!