Archiv für den Monat August 2016

#9: Selbstvermarktungsmaschinen

Musik spielte schon immer eine große Rolle in unserer Gesellschaft. Doch war sie früher etwas anderes heute. Heute entstehen Marketing-Maschinen, die ein Album nach dem anderen zu neuen Rekordverkäufen treiben. Verkaufen lässt sich dieses Bild extrem gut. Vor allem weibliche Sänger werden vermarktet. Dabei gibt es nur einige wenige große, weltweit bekannte im Moment, aber die wenigen teilen sich den Markt nach Belieben auf.

Es dürfte klar sein, von wem ich spreche. Von den Katy Perrys, den Taylor Swifts, den Adeles dieser Welt. Madonna zähle ich bewusst nicht zu dieser Gruppe, weil sie seit Jahrzehnten extrem erfolgreich ist. Doch Sängerinnen wie eben Katy Perry sind noch ziemlich jung und gehören trotzdem schon zu den erfolgreichsten Sängerinnen zumindest dieses noch jungen Jahrhunderts. Dabei spielt es keine Rolle, was genau sie macht, sie vermarktet alles, was geht. Sie tritt beim Parteitag der Demokraten in Amerika auf und unterstützt Hillary Clinton – medienwirksam, klar. Sie singt ihre neue Single. Die Single, die jetzt von mehreren Fernsehsendern als die Olympia-Hymne benutzt wird. Marketing auf ganz hohem Niveau. Natürlich ist ihr neues Album nach ihrem Megaerfolg mit ihrem letzten Album „Prism“ im Jahr 2013 nicht mehr weit, noch in diesem Jahr wird es erscheinen. Dafür bringt sie sich schon mal in Position. Sie machte bereits Werbung für H&M und Toyota, zwei Marken, die in ihrem Gebiet zu den Spitzenreitern gehören – natürlich.

Taylor Swift dürfte als Pendant zu Katy Perry gelten. Die Musik unterscheidet sich nur marginal. Beide gehen auf Welttournee nicht deswegen, um den Spaß an der Musik zu verbreiten, sondern um ihr neues Album zu promoten. Es geht um Abverkaufszahlen, nicht um die Musik an sich. In dieser Kategorie ist aktuell Adele absolute Spitzenreiterin. Sie bricht aktuell alle Rekorde. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Adele lebt die Musik. Klar holt auch sie alles raus, was geht. Promotet ihr Album in sämtlichen Fernsehsendungen, geht auf Welttournee, die in einer irrsinnigen Zeit restlos ausverkauft ist. Schaut man sich allerdings Auftritte von ihr an, bei denen sie anfängt zu weinen, nachdem sie ein Lied gesungen hat, dann ist das schon beeindruckend. Das zeigt, dass sie die Musik noch richtig fühlt, Musik ist eben ihre Bestimmung. Und das ist auch gut so, ihre Stimme ist unschlagbar.

In diesem Jahr wird übrigens auch wieder mal ein Album von Britney Spears erscheinen. Die sich von einem Skandal zum Nächsten hangelt. Und trotzdem gelingt das Marketing auf ganz hohem Niveau. Die Musik ist auch in ihrer Qualität nicht überragend, aber bleibt im Ohr. Und jeder kann ihre Lieder mitsingen. Wer kennt schon nicht „Oops! I did it again!“ Jeder würde ich jetzt mal so frei heraus behaupten. Das Marketing der großen Sängerinnen der aktuellen Zeit läuft auf ganz hohem Niveau uns es funktioniert, das ist das faszinierende daran. Trotzdem haben Sängerinnen mit mehr Ausstrahlung, mit mehr Ecken und Kanten dann doch was anderes zu bieten, als die glattgebügelten Selbstvermarktungsmaschinen.

#8: Doping

Olympia läuft wieder. Hunderte Athleten zeigen unter den fünf Ringen wieder ihr Können. Diesmal in Brasilien. In Rio de Janeiro. Wieder mal wurde viel im Vorfeld über das Sportereignis des Jahres geredet und ganz besonders kritisiert. Die Organisatoren wurden nur mit Ach und Krach fertig mit der olympischen Anlage. Es wurde überall improvisiert. Kaum war die Eröffnungsfeier im Fußball-Stadion Maracana gelaufen, gab es keine kritischen Stimmen mehr über den Ausrichter Rio, es gab viel Lob. Es war eine stimmungsvolle Auftaktfeier. Kritisiert werden jetzt andere.

Die russischen Sportler stehen im Moment im Fadenkreuz des internationalen Dopings. Schon vor den olympischen Spielen wurde viel über die Russen diskutiert. Beinahe wären sie vom IOC ausgeschlossen werden wegen systematischen Dopings. Das wäre sicher konsequent gewesen und wäre auch sicherlich ein richtiges Zeichen in Richtung aller Staaten gewesen, dass systematisches Doping, das vom Staat gefördert wird, hart bestraft wird. Zu diesem Schritt konnte sich das Internationale Olympische Komitee nicht durchringen. Das mag etwas verwirrend sein.

Allerdings ist die Frage zu stellen, wie viele Sportler an diesen Spielen teilnehmen würden, wären alle gesperrt, die leistungssteigernde Mittel einnehmen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: das wären einsame Spiele für einige wenige. Dass die Ehrlichen bestraft werden ist natürlich keineswegs zu befürworten, nun allerdings die russischen Sportler durchgehend zu kritisieren und sie zum Sündenbock zu machen kann auch nicht die Lösung sein. Julija Jefimowa wird gerade besonders heftig kritisiert.

Zunächst mal zu ihrer Geschichte: Erst im Juni 2016 wurde Jefimowa von der FINA, dem Dachverband aller Schwimmer, wegen jahrelangen systematischen Dopings von den olympischen Sommerspielen ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) kassierte dieses Startverbot am Samstag wieder ein. Jefimowa durfte starten. Seitdem wird sie regelmäßig in der Schwimmhalle ausgepfiffen. Bisher nahm sie das gelassen und präsentierte sich vielleicht etwas zu arrogant und heizte damit die Stimmung im Schwimmkessel noch an. Gestern Abend dann verlor sie das 100 Meter Brustrennen und wurde „nur“ Zweite. Dass sie daraufhin in Tränen ausbrach sei ihr gegönnt, da ist sie nicht die Einzige. Dass sie dann der ZDF-Interviewer sie erneut darauf anspricht, ob ihr Start überhaupt gerechtfertigt sei ist einfach nur unnötig. Da müsste er jeden einzelnen Schwimmer fragen.

Gerade in der Schwimmhalle gab es in den letzten Tagen zahlreiche Weltrekorde zu bestaunen. Zeiten, die unglaublich sind, die wahrscheinlich nur sehr schwierig aus eigenen Mitteln geschwommen werden können. Allerdings gilt das für alle. Nicht nur für die Russen. Katinka Hosszú beispielsweise gewann über 400 Meter Lagen extrem überlegen in Weltrekordzeit die Goldmedaille. Der Abstand zur Konkurrenz war beängstigend. Nicht mal Jefimowa war bislang zu solch einer Demonstration im Stande gewesen.

Niemand kann mir erzählen, dass im internationalen Spitzensport nicht länderübergreifend und systematisch gedopt wird. Welche Mittel im Spiel sind vermag ich nicht zu sagen, diese werden immer erst nach einiger Zeit bekannt und können erst dann verboten werden. Auch im Fußball findet sicherlich Doping statt. Nur redet da keiner drüber. Über die Russen redet im Moment jeder – das sollte man vielleicht noch mal überdenken.