#8: Doping

Olympia läuft wieder. Hunderte Athleten zeigen unter den fünf Ringen wieder ihr Können. Diesmal in Brasilien. In Rio de Janeiro. Wieder mal wurde viel im Vorfeld über das Sportereignis des Jahres geredet und ganz besonders kritisiert. Die Organisatoren wurden nur mit Ach und Krach fertig mit der olympischen Anlage. Es wurde überall improvisiert. Kaum war die Eröffnungsfeier im Fußball-Stadion Maracana gelaufen, gab es keine kritischen Stimmen mehr über den Ausrichter Rio, es gab viel Lob. Es war eine stimmungsvolle Auftaktfeier. Kritisiert werden jetzt andere.

Die russischen Sportler stehen im Moment im Fadenkreuz des internationalen Dopings. Schon vor den olympischen Spielen wurde viel über die Russen diskutiert. Beinahe wären sie vom IOC ausgeschlossen werden wegen systematischen Dopings. Das wäre sicher konsequent gewesen und wäre auch sicherlich ein richtiges Zeichen in Richtung aller Staaten gewesen, dass systematisches Doping, das vom Staat gefördert wird, hart bestraft wird. Zu diesem Schritt konnte sich das Internationale Olympische Komitee nicht durchringen. Das mag etwas verwirrend sein.

Allerdings ist die Frage zu stellen, wie viele Sportler an diesen Spielen teilnehmen würden, wären alle gesperrt, die leistungssteigernde Mittel einnehmen. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: das wären einsame Spiele für einige wenige. Dass die Ehrlichen bestraft werden ist natürlich keineswegs zu befürworten, nun allerdings die russischen Sportler durchgehend zu kritisieren und sie zum Sündenbock zu machen kann auch nicht die Lösung sein. Julija Jefimowa wird gerade besonders heftig kritisiert.

Zunächst mal zu ihrer Geschichte: Erst im Juni 2016 wurde Jefimowa von der FINA, dem Dachverband aller Schwimmer, wegen jahrelangen systematischen Dopings von den olympischen Sommerspielen ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) kassierte dieses Startverbot am Samstag wieder ein. Jefimowa durfte starten. Seitdem wird sie regelmäßig in der Schwimmhalle ausgepfiffen. Bisher nahm sie das gelassen und präsentierte sich vielleicht etwas zu arrogant und heizte damit die Stimmung im Schwimmkessel noch an. Gestern Abend dann verlor sie das 100 Meter Brustrennen und wurde „nur“ Zweite. Dass sie daraufhin in Tränen ausbrach sei ihr gegönnt, da ist sie nicht die Einzige. Dass sie dann der ZDF-Interviewer sie erneut darauf anspricht, ob ihr Start überhaupt gerechtfertigt sei ist einfach nur unnötig. Da müsste er jeden einzelnen Schwimmer fragen.

Gerade in der Schwimmhalle gab es in den letzten Tagen zahlreiche Weltrekorde zu bestaunen. Zeiten, die unglaublich sind, die wahrscheinlich nur sehr schwierig aus eigenen Mitteln geschwommen werden können. Allerdings gilt das für alle. Nicht nur für die Russen. Katinka Hosszú beispielsweise gewann über 400 Meter Lagen extrem überlegen in Weltrekordzeit die Goldmedaille. Der Abstand zur Konkurrenz war beängstigend. Nicht mal Jefimowa war bislang zu solch einer Demonstration im Stande gewesen.

Niemand kann mir erzählen, dass im internationalen Spitzensport nicht länderübergreifend und systematisch gedopt wird. Welche Mittel im Spiel sind vermag ich nicht zu sagen, diese werden immer erst nach einiger Zeit bekannt und können erst dann verboten werden. Auch im Fußball findet sicherlich Doping statt. Nur redet da keiner drüber. Über die Russen redet im Moment jeder – das sollte man vielleicht noch mal überdenken.

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